Kirche Rabenden - St. Jakobus

Rabenden (Filialkirche)

Zwischen Obing und Altenmarkt, an der mittelalterlichen Handelsstraße von Wasserburg nach Traunstein liegt die unscheinbar wirkende Dorfkirche, die 1438 dem Apostel Jakobus d. Älteren geweiht wurde.
Weltberühmt ist die Kirche durch seinen wunderbaren spätgotischen Flügelaltar (vor 1515) des "Meisters von Rabenden". Wer dieser bedeutende Künstler war, darüber wurde viel spekuliert, jedoch genaues konnte noch nicht endgültig festgestellt werden. Seine Werkstatt befand sich vermutlich in München. Sein wohl bedeutendstes und aufschlussreichstes Werk ist der Hochaltar von Rabenden.
Dieser Schreinaltar mit dem filigranen Baldachin erhebt sich bis zum Schlußstein des Netzgewölbes im Presbyterium und ist eine gemeinsame künstlerische Leistung der Schreiner und Schnitzer, Faß- und Tafelmaler. Bestehend aus zwei festen Standflügeln, zwei Drehflügeln, der Predella mit zwei verschiebbaren Bildern, dem Schrein mit drei Standfiguren und dem Gesprenge mit einer Kreuzigungsgruppe zeigt er das Zusammenspiel von Bauwerk und Bild.
Im Zentrum des geöffneten Schreins stehen die drei farbig gefassten und vergoldeten holzgeschnitzten Standfiguren.
Linke Figur: Simon der Zelot, ein Apostel Jesu, wird dargestellt mit einer Doppelhandsäge in beiden Händen. Er gehörte zu den hochverehrten Heiligen des Mittelalters. Zusammen mit Judas Thaddäus soll er in Persien das Evangelium verbreitet haben und dort den Märtyrertod gestorben sein.
Rechte Figur: Judas Thaddäus steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden und in der Hand hält er eine mächtige Keule. Sie weist auf das Marterinstrument hin, mit dem der Apostel getötet worden sein soll. Im Mittelalter wurde Judas Thaddäus als himmlischer Helfer in hoffnungslosen Angelegenheiten angerufen.
Mittelfigur: Jakobus der Ältere, Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome, steht da mit dem Pilgerstab in der rechten und einer Muschel in der linken Hand, sowie dem Pilgerhut auf dem Kopf. Herodes Agrippa ließ ihn zur Osterzeit des Jahres 44 verhaften und enthaupten. Ein reicher Legendenkranz rankte sich bald um ihn und ließ ihn zum Patron der Pilger werden.
Wirklich beeindruckend ist die künstlerische Gestaltung dieser drei Figuren: die markanten Charakterköpfe, das gelockte Haupt- und Barthaar, die knorrigen Finger, der verspielte und doch elegante Faltenwurf ihrer Gewänder.
Der Schrein wird durch feines vergoldetes Zierwerk eingerahmt.
Auf den vier Tafelbildern der Schwenkflügel sind Szenen aus dem Leben Mariä dargestellt.
Das Bild links oben zeigt die Verkündigung an Maria durch den Engel.
Das Bild rechts oben stellt die Geburt Jesu dar: Unter einem Mauerbogen, getragen von 2 Säulen lächelt Maria ihrem Kinde lieblich zu.
Rechts unten ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige zu sehen: Freudig hält Maria ihr Kind den weltlichen Würdenträgern entgegen.
Links unten wird der Tod Mariens dargestellt: Die Schar der Apostel umsteht das Krankenbett der Himmelskönigin.
Die Rückseiten der Drehflügel zeigen - in der Fastenzeit sichtbar - die 4 lateinischen Kirchenlehrer (von links nach rechts) ober Hieronymus und Gregor, unten Augustinus und Ambrosius.
Der linke Standflügel zeigt oben den hl. Sebastian und unten den hl. Georg. Der rechte Standflügel zeigt den hl. Florian und unten den Kirchenpatron Jakobus den Älteren. Die Standflügel sind ebenfalls nur in der Fastenzeit sichtbar.
Das Gesprenge darüber - aus schlank aufstrebenden Architekturgliedern - umschließt eine Kreuzigungsgruppe. Auch hier zeigt sich das überragende Können eines phantasiereichen Meisters.
Ein Gotteshaus gebaut, um Gott die Ehre zu erweisen und den Gläubigen einen Ort zu geben, ihren Glauben zu feiern und ihre Hoffnung und Liebe zu stärken.

Mehr dazu finden sie im Kirchenführer zum Meister von Rabenden, von Johannes Goldner und Wilfried Bahnmüller im Pannonia-Verlag, Freilassing, 1993.

Impressum und rechtliche Hinweise     -     © 2018 Kath. Pfarramt Baumburg    -    Login      -     powered by SMILE Internet-Service