Berichte - Was war los in der Pfarrei Baumburg?
- 09.01.2017

Historische Barockkrippe erwacht zu neuem Leben

Sie ist ein Kleinod und ein ganz besonderes dazu und sie kommt wieder „nach Hause“, die alte Baumburger Barockkrippe. Möglich gemacht hatte das der Altenmarkter Heimatverein, namentlich Günther Stöckl und Familie Riederer. Ab dem Ersten Advent ist sie nun der Öffentlichkeit zugänglich auf der Empore der Baumburger Grabkapelle zu besichtigen.


Dabei war ihr „Weg“ nach Baumburg zurück kein geradliniger, eine kleine Odyssee sozusagen. Bis zum Ende der 50er Jahre war sie noch in der Baumburger Kirche an prominenter Stelle in der Advent- und Weihnachtszeit ausgestellt, ehe sie Pfarrer Faßnauer ausmusterte. Statt der etwa 40 Zentimeter großen Holzfiguren, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, wurde eine Krippe aus Keramikfiguren an die Künstlerin Anni Schierl aus Ebersberg in Auftrag gegeben. Viele der Keramikfiguren, die neu geschaffen wurden, ähnelten Altenmarkter Persönlichkeiten dieser Zeit, sogar die Gesichtszüge des damaligen Pfarrer Faßnauer finden sich unter den Figuren wieder. Diese Krippe gibt es heute noch und sie wird auch nach wie vor im Eingangsbereich der Baumburger Kirche jedes Jahr aufgebaut. Doch was wurde aus der alten Barockkrippe? „Sie kam nach Wasserburg zu dem Krippen sammelnden Pfarrer Bauer, wo sie jedoch nie im vollem Umfang zum Aufstellen kam“, wusste Günter Stöckl, einer der beiden Vorsitzenden des Altenmarkter Heimatvereins. Im Nachlass von Pfarrer Bauer wurde die Krippe als Baumburger Krippe identifiziert und wanderte ins Archiv des Freisinger Diözesanmuseums. Dort schlummerte sie etliche Jahre, ehe das Ehepaar Heidi und Hans Riederer aus einem Artikel in der Kirchenzeitung vom Verbleib dieses Baumburger Kleinods erfuhren. Sie ergriffen die Initiative und gemeinsam mit der Kirchenverwaltung und dem Heimat- und Kulturverein erhielten sie die Zusage, die Krippe behalten zu dürfen, wenn sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde.
In Kartons verpackt wurden die 18 Figuren mit teils losen Gliedmaßen und Köpfen sowie gebrochenen Gelenken angeliefert. Hinzu gesellten sich etwa 40 Tiere (vor allem Schafe, Kamele, Pferde, Ochs und Esel) und viel Zubehör, alles mehr oder weniger gut erhalten. Und hier begann die Arbeit von Günther Stöckl vor gut einem Jahr. Die Objekte wurden gesichtet und gut überlegt sortiert, was wie zu reparieren war. Hinzu kam, dass sich Stöckl Gedanken machen musste, wie wohl die Landschaft zu so einer orientalisch anmutenden Krippe aussehen würde. In der Empore der Baumburger Grabkapelle begann er dann das neue Domizil, ja eine ganze Landschaft passend zur Krippe aufzubauen. Eine etwa vier Meter lange rund 1,5 Meter breite und mannshohe Holzvitrine entstand, in der eine Stadt aus dem Orient mitsamt echt wirkender Palmen und Sträuchern, Brunnen und Ställen aus dem Nichts geschaffen wurde. Mit viel Gips und Kreativität, immer im passenden Maßstab schuf der ehemalige Ingenieur ein kleines Kunstwerk, das einfach schön anzusehen ist. Aber nicht nur er allein hatte großen Anteil daran, dass dieses Kleinod zu neuem Leben erweckt wurde. Mit Helga und Hannemie Hofmann  hatte er zwei wichtige Helferinnen an seiner Seite, welche in Klosterarbeiten bereits viel Erfahrung gesammelt hatten. Sie führten mit viel akribischer Kleinarbeit an den Gewändern die anfallenden Stoffarbeiten aus, besserten aus und sorgten für ein stimmiges Gesamtbild bei der Einkleidung der teils aus unterschiedlichen Sammlungen stammenden Einzelpersonen. Das Jesuskind etwa war ein etwa zwölfjähriger Jüngling und passte so gar nicht zum Rest der Krippe, worauf man über Rosi Bauer vom Siegsdorfer „Christkindlmuseum“ ein passendes Jesuskind erwarb. Rosi Bauer war es auch, die mit ihrer langjährigen Erfahrung die Gewänder der Heiligen Familie mit restaurierte. Fehlende Gelenke, beschädigte Köpfe reparierte Günther Stöckl, so dass die Proportionen wieder passten. Weit über 450 Stunden investierte der handwerklich begabte Heimatvereinsvorsitzende mit viel Liebe zum Detail und technischen Sachverstand. So wurde die große Menge an Schafen durch das Schaffen eines Hügels mit Höhle kompakt und doch nicht gedrängt untergebracht, Palmenblätter filigran und doch authentisch aus Papier geschnitten und mit Draht verstärkt. Nichts wirkt kitschig, fast alles verblüffend realitätsnah. Den letzten Schliff erfuhr die Barockkrippe diese Tage, so dass sie pünktlich zum ersten Advent in neuem Glanz der Öffentlichkeit gezeigt werden kann.
Das Projekt wurde von Frauenbund, den Blumenfrauen und dem Erlös aus Bastelarbeiten, dem Heimat- und Kulturverein sowie von Krippenfreunden finanziell unterstützt. Besichtigt werden kann die Krippe an den vier Adventssonntagen jeweils nach der 10.30 Uhr  Messe und bei Kirchenführungen. Es ist auch nach persönlicher Vereinbarung mit Günther Stöckl (08621/2909) ein Vorort-Termin möglich. Die Krippe wird das ganze Jahr über aufgestellt sein und ist über eine Treppe zur Empore der Grabkapelle zugänglich.


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