Stiftskirche Baumburg - St. Margareta

Pfarrkirche Baumburg

Ehemalige Klosterkirche des Augustinerchorherrenstiftes Baumburg

Von steiler Höhe über dem Zusammenfluss von Alz und Traun schauen die aus Tuffquadern gefügten Türme Baumburgs weit in die gesegnete Landschaft hinaus. Bald 850 Jahre blicken sie nun schon über das Land und sind den Menschen Orientierungspunkt und Hinweis auf "Gottes Wohnung" unter den Menschen.
Von Rottenbuch waren Augustinerchorherren gekommen und hatten unter Propst Eberwin das Kloster gegründet. Als dieser in Berchtesgaden blieb, baute sein Nachfolger Godescalch die Kirche, die 1156 eingeweiht werden konnte.
Die Chorherren waren eifrige Seelsorger - auch in den umliegenden Pfarreien Truchtlaching, Chieming, St. Georgen, Traunwalchen - und Erzieher in der Klosterschule.
Viele Schicksale erlitt das Kloster, Höhen und Tiefen. Endgültig aufgehoben wurde das Kloster jedoch erst durch die Säkularisation 1803. Da die Klosterkirche zur Pfarrkirche von Altenmarkt wurde, blieb sie Gott sei Dank vor der Zerstörung verschont.

Wer sich der Kirche nähert, steht beeindruckt vor der streng romanischen Westfront, die durch eine mit Säulen besetzte Rokoko-Vorhalle aufgelockert ist. In der Niesche über dem Portal steht die mit einem Kreuz den Drachen erstechende Patronin der Kirche: die hl. Margareta, eine frühchristliche Märtyrerin aus Antiochien in Pisidien, die beim Volk als eine der 14 Nothelfer hochverehrt wurde.

Tritt man durch das Portal ein, öffnet sich dem Besucher ein lichtdurchfluteter farbenprächtiger Festsaal.
Der Blick schweift hinauf zum gewaltigen mittleren Deckenfresko von dem Künstler Felix Anton Scheffler, einem Münchner Asamschüler. Eine grandiose Rundschau über das Leben des hl. Augustinus und das Wirken seines Ordens. Die Mitte des Deckengemäldes zeigt einen ganzen "Augustinerhimmel" und umgeben von einem Kranz vieler Engelsköpfe schwebt die Hl. Dreifaltigkeit.
Das Gemälde über der Sängerempore zeigt ein himmlisches Konzert: König David auf der Harfe spielend, daneben der siebenarmige Leuchter und die Bundeslade, dahinter eine Gruppe singender und musizierender Engel.
Im schönen alten frühbarocken Orgelgehäuse (um 1680) und im bewußt unauffällig gehaltenen Gehäuse dahinter steht seit 1997 das neue Orgelwerk (Rieger/Vorarlberg) mit 34 Registern und 3 Manualen.
Das vordere Deckengemälde über dem Presbyterium erzählt die Entstehungsgeschichte der Kirche. Dargestellt ist ein großer Hochaltar, an dessen Arkadensäulen links und rechts vom Tabernakel die Personen stehen, denen Baumburg seine Gründung zu verdanken hat: Adelheid von Möglingen (links vom Tabernakel) heiratete Marquart von Marquartstein (rechts ganz außen). Nach kurzer Ehe wurde er auf der Jagd erschlagen. Im Sterben trug er seiner Gemahlin auf, in Baumburg eine Kirche mit Kloster zu erbauen. Kurz darauf vermählte sich Adelheid mit dem reichen Ulrich von Passau (rechts vom Tabernakel). Aber erst ihr dritter Mann, Berengar von Sulzbach (ganz links), versprach bei ihrem Tode, das Gelübde zu erfüllen. Die Übertragung ihrer Gebeine 1156 - bei der Einweihung der Vorgängerkirche - in die Gruft vor dem Hochaltar in Baumburg ist auf dem Deckengemälde dargestellt.
Eine Prälatengestalt mit markanten, energischen Zügen fällt uns in diesem Bild auf. Es ist das lebensnahe Porträt des Propstes Joachim Vischer, der 1754-1757 für die 600-Jahrfeier die vorherige romanische und gotische Kirche im Rokokostil umbauen ließ unter Beibehaltung des romanischen Westwerks. Diesen weitgehenden Neubau plante und leitete der Gerichtsmaurermeister Franz Alois Mayr aus Trostberg. Wessobrunner Stukkateure vollendeten das Kunstwerk.

Eine alabasterweiße Krone stellt den Übergang vom Gewölbe zum Altar her. Ein blauer Vorhang bildet den Hintergrund. Der imposante Altaraufbau in besonders gut gelungenem Stuckmarmor umrahmt das große Altargemälde. Es stellt in seinem oberen Teil die hl. Margareta dar, wie sie von Christus empfangen wird. Unter der Heiligen stürzt, von einem Engel gestoßen, Satan in Gestalt eines Drachens in die Tiefe. Im Hintergrund ist die Enthauptung der hl. Margareta vor einer Götzenstatue dargestellt. Rechts unten rufen Alte und Kranke die Heilige um ihre Fürbitte an. Von links kommen König Ludwig XIV. von Frankreich und seine Gemahlin mit dem von der hl. Margareta erflehten Thronerben auf ihrem Arm. Der Grund für diese ungewöhnliche Szene ist die Bitte des bayrischen Kurfürsten Max III. Joseph, der 1756 Baumburg besuchte, um die gleiche Gnade, die ihm aber nicht zuteil wurde. Das ganze Gemälde ist ein Meisterwerk des Augsburger Malers Joseph Hartmann.
Neben dem Altarbild stehen vier überlebensgroße Stuckfiguren: außen die hl. Märtyrerinnen Barbara (mit Turm) und Katharina (mit zerbrochenem Rad). Der Ordensgründer Augustinus steht links innerhalb der Säulen und auf der rechten Seite der Glaubensbote Rupert von Salzburg.
Herrlich und reich ist der Tabernakel geschnitzt. Als ob keine Farbe würdig genug wäre, das Allerheiligste zu schmücken, ist alles in Weiß und Gold gehalten.
Interessant sind auch die Seitenaltäre und die vielen Grabsteine, die in die Wände eingelassen wurden.

(Auszüge aus dem Kirchenführer von Pfr. Alois Fassnauer, Verlag Alois Erdl, Trostberg, 8. Auflage 2001)

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