Berichte - Was war los in der Pfarrei Baumburg?
- 16.06.2019

Arbeit. Macht. Sinn – wenn man ihr Sinn gibt

Das Jahresthema „Arbeit. Macht. Sinn.“ bestimmt beim KAB-Diözesanverband auch 2019 das Leit-Thema. Der Einfluss der Digitalisierung auf die Lebens- und Arbeitswelt ist so fundamental, dass Diözesanpräses Michael Wagner beim KAB-Kreisbildungstag im Altenmarkter Pfarrheim in der Fortsetzung des letztjährigen Workshops nochmals weitere zentrale Aspekte herausarbeitete: die Arbeitswelt ist durch die weltweite Vernetzung grundlegend verändert worden. Digitalisierung bestimmt den Arbeitsalltag als auch das Privatleben – mit allen Konsequenzen. Mächtige versuchen hier, ihren Einfluss geltend zu machen, so Wagner. Sein Appell daher: Arbeit mache Sinn, wenn man ihr selbst Sinn gebe und man die Prioritäten selbst setze.


Das Jahresthema „Arbeit.Macht.Sinn“ hatte der KAB-Kreisverband beim Bildungstag in Altenmarkt, zu dem der Kreisvorsitzende Bernhard Reithmaier zahlreiche Teilnehmer begrüßen konnte, erneut in den Mittelpunkt gerückt. Nachdem Referent Diözesanpräses Michael Wagner letztes Jahr mit dem ersten Teil großes Interesse an diesem Thema geweckt hatte, führte er in Altenmarkt das Thema mit vielen Praxisbeispielen fort und sorgte so für eine engagierte Diskussionsrunde. Wagner stieg mit einem Blick in die Geschichte der Arbeit ein. War noch in der Antike Freizeit, Spiel und Spaß den Göttern und Gottgleichen vorbehalten, so musste das gemeine Volk der Arbeit dienen. Im Mittelalter wurde die Ständeordnung eingeführt, die in Klerus, Adel und Bauern unterschied – auch hier „gehörte“ den Bauern die „Arbeitswelt“. Im Zeitalter der Reformation wurde unter Calvin die Arbeit als Pflicht für rechtschaffenes gottgerechtes Leben eingeführt. Arbeit wurde heilig, der Beruf zur Berufung. Es folgten die vier industriellen Revolutionen, die Mechanisierung, die Elektrifizierung, die Automatisierung erstmals mit massivem Einsatz von Elektronik und Computern und schließlich „Industrie 4.0“ mit dem Prinzip der „Vernetzung“. Information wurde zum neuen Rohstoff, der mittels Hardware und Software verarbeitet wurde. Mit einher ging die „smarte“ Revolution. Mit dem „Smart Phone“ wurde plötzlich auch die private Seite des Menschen in die Welt der Vernetzung einbezogen. Seine Interessen, sein Vorlieben teilte der Mensch von nun an mit seinesgleichen im Internet. Spätestens hier erkannten die Mächtigen, wie einfach es sich gestalte, den Menschen zu beeinflussen, über ihn Macht auszuüben, so Wagner. Suche man im Internet nach Hintergrundinfos zur Fotografie, kommen plötzlich Werbemeldungen zu Fotoapparaten. Trennte man früher noch im Religiösen zwischen dem „Fanum“, dem Tempel, dem Göttlichen und den Vorraum zum Tempel, dem „Pro-Fanum“, dem Raum für das gemeine Volk, der für Handel und Geschäfte diente, so verwischen heute diese Bereiche zusehends. Der Sonntag ist kein geheiligter Tag mehr, Religion spiele kaum mehr eine zentrale Rolle. Bestimmten einst Religion, Familie und die Nation, der Staat die Entwicklung des Individuums, so steure heute ein willenloses „Netz“ die Entwicklung der Kinder und Heranwachsenden. Arbeit optimiere sich wie in einem Labor, große Firmen vergeben Aufträge an freischaffende Programmierer (sogenannte „Crowd-Worker“) über das Internet – der günstigste bekomme den Zuschlag zu Dumping-Löhnen. Die Folge sei ein irrwitziger Wettlauf, in dem jeder versuche, der Bessere zu sein. Viele bleiben auf der Strecke, seien schlicht „ausgebrannt“, weil die Lebensenergie fehle – klassischer „Burnout“ laute dann oft die Prognose. Unbemerkt sei der Mensch selbst und seine Leistung zur Ware verkommen, so der KAB-Diözesanpräses. Er werde als „Rohstoff“ auf den Wasserstraßen des Internets gehandelt, sei selbst gefangen in diesem gigantischen „Netz“. Dieser Wandel in der Arbeitswelt folge in kürzeren Taktzyklen, wie eben die Produkte (Autos, Handys), die sie ebenso schnell neu auf dem Markt werfe. Auch der Wert der Arbeit verändere sich damit ständig. Heute definieren sich nicht nur viele junge „Influencer“ (Leute, die durch ihre Präsenz im Internet als Werbeträger in Frage kommen) durch die Zahl der „Klicks“ im Internet, wenn sie Neuigkeiten über sich ins „Netz“ stellen. Auch Online-Redakteure werden in Online-Magazinen nach der Anzahl der Leute, die deren Bericht dort lesen, also „anklicken“ bezahlt. Aber sei das wirklich die neue Freiheit, so Wagner. Freiheit bedeute ursprünglich „bei Freunden, Familie, also daheim zu sein“ – im Gegensatz zu den Sklaven, die als Leibeigenen bei Fremden schufteten. Es gelte also wieder mehr, den Sinn der Arbeit zu hinterfragen, wofür man tatsächlich arbeite. Und als „Sinn-voll“ erkenne der Mensch Dinge, die ganzheitlich mit allen Sinnen, als „in sich stimmig“ erkannt werden. Bei der Kommunikation nur über digitale Medien können nicht nur Missverständnisse entstehen, sondern auch bösartige Menschen, Scheinwelten vortäuschen, die es gar nicht gebe. Die Internet-Kommunikation in sozialen Medien kreiere ihr eigenen „Schein-Welten“, folge oft Hass-Tiraden, sei wie ein willenloser Schwarm, der mal in die Richtung mal in die andere wabere, so Wagner. Das Tun und Handeln müsse wieder hinterfragt werden. Das gelte sowohl im Privaten als auch in der Arbeitswelt. Arbeit dürfe nicht dem Automatisierungs-Diktat folgen, bis sie sich selbst abschaffe, sondern müsse wieder mit Inhalt gefüllt werden, müsse kreativ sein. „Der Mensch ist nach wie vor der Technik überlegen. Er muss der Arbeit Sinn geben. Industrie 4.0 ist letztlich auch nur von Menschen geschaffen, wir haben es in der Hand, was wir daraus machen“, schloss der KAB-Präses den Bildungstag.


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